Zitat der Woche

15.-22. Juli 2019

"Nicht die Dinge selbst,

sondern nur unsere Vorstellungen über die Dinge

machen uns glücklich oder unglücklich."

(Epiktet, griechischer Philosoph, 50-138)

Ein Zahnarztbesuch steht bevor. Für alle, die es nicht wissen: Ich hasse Zahnarztbesuche. Schon der Geruch, der mir beim Öffnen der Praxistür entgegenströmt – grauenvoll. Und erst die Geräusche aus dem Behandlungszimmer, dieses Sirren und Kreischen der Instrumente, sie lassen mich in einen Modus der Todesangst fallen.
 

Nun ist es aber auch Tatsache, dass ich bisher noch jeden Zahnarztbesuch lebend überstanden habe. Und nicht nur das, ich hatte zwar manchmal Schmerzen nach der Behandlung, aber es ging mir wirklich jedes Mal besser als zuvor. Nicht zuletzt das wundervolle Gefühl, dass ich jetzt mal wieder für eine Weile Ruhe habe, hat meine Entspannung und mein Wohlbefinden gesteigert.

 

Ich frage mich, was es dann ist, das mich vor einem Zahnarztbesuch in einen Zustand bringt, der mehr an die Erwartung eines bevorstehenden Vulkanausbruchs erinnert als an die Erwartung ärztlicher Hilfe.

 

Es ist, wenn ich ehrlich bin, die schiere Vorstellung davon, was mich alles erwarten KÖNNTE. Der Arzt entdeckt ein Loch und bohrt es auf, ich verliere alle (selbstverständlich alle!!) meine Zähne, Schmerzen könnten meinen Kopf zerreißen. Ach wie gruselig schön, sich dies in den plastischsten Farben vorzustellen. Kein Wunder, dass ich Jahr für Jahr mit der Terminvereinbarung für die Vorsorgeuntersuchung ringe.

 

Also stelle ich es mir versuchsweise einmal anders vor. Die Tür zur Zahnarztpraxis öffnet sich. Ich rieche Desinfektionsmittel und andere medizinische Flüssigkeiten – ein Zeichen für Hygiene und aktives ärztliches Handeln. Wie schön, dass hier auf äußerste Sauberkeit geachtet wird, genau das will ich als Patientin auch. Die Geräusche aus dem Behandlungszimmer lassen mich darauf schließen, dass jetzt gerade einem Menschen geholfen wird. So wie nachher auch mir, wie ich hoffe. Die Geräusche sind tatsächlich unangenehm und laut, aber ohne diese Geräusche würden Zähne weiterhin vereitern und ausfallen. Und das wird eben jetzt verhindert, zum Glück, genau dafür sind wir ja alle hier …


Meine Haltung und mein Empfinden den Dingen gegenüber, die mir täglich begegnen, wird entscheidend beeinflusst von der Art, wie ich darauf schaue. So ähnlich wie die Geschichte mit dem halbvollen oder halbleeren Glas. Meine Interpretation lässt mich Mangel oder Fülle erfahren, je nachdem. Von daher habe ich es durchaus in der Hand, ob ich mich entspanne oder vor Angst erstarre. Ich bin dem, was passiert, nicht vollständig ausgeliefert. Ich kann mich dazu verhalten, oder, in den Worten von Epiktet: Ich habe Einfluss darauf, ob ich glücklich oder unglücklich sein will.

7.-14. Juli 2019

 

„Jeder Augenblick

hat eine besondere Botschaft.“

Hazrat (Pir-o-Murshid) Inayat Khan (1882-1927),

Gründer der internationalen Sufi-Bewegung

Morgen habe ich eine schwierige berufliche Besprechung. Nächste Woche bin ich Gast auf der Hochzeit einer alten Freundin. Ich habe noch einen knappen Monat Zeit, bis ich meine Steuererklärung abgeben muss. Und jetzt? Tja, keine Ahnung …

 

Mir persönlich liegt es näher, meine Aufmerksamkeit auf Dinge zu richten, die irgendwo in der Zukunft liegen. Zu einem gewissen Maß ist das notwendig, manche Dinge brauchen Vorbereitung und regeln sich nicht von einem Tag auf den anderen.

 

Um diese Dinge gut regeln zu können, handle ich aber im Hier und Jetzt. Und nicht nur das – genau jetzt passieren Dinge um mich herum, die ihre eigene Qualität haben. Der Mensch, der mir gerade auf der Straße zulächelt. Die spielende Katze auf dem Balkon. Neue Blüten am Rosenstrauch vor meiner Wohnungstür. Ein wunderbarer Sonnenuntergang am Ende eines heißen Tages. Kleine Dinge, die ich gerne übersehe und die ich sehr genieße, wenn ich mich entscheide, sie bewusst wahrzunehmen.

 

Und genau das ist es – ich entscheide mich, worauf ich meine Aufmerksamkeit richten möchte. Das ist wie mentale Gymnastik. Ich gehe gedanklich in die Zukunft und kehre in die Gegenwart zurück. Wie jetzt gerade, ich schreibe einen Artikel und betrachte zwischendurch ganz bewusst das Farbspektakel der blühenden Orchidee auf meiner Fensterbank, während die Gedanken kommen und gehen. Das verstehe ich unter „Jeder Augenblick hat seine besondere Botschaft.“

 

Kontakt und Terminvereinbarung

stand op! Praxis für Veränderungsprozesse

Dr. Annette Standop
Kasernenstr. 14
53111 Bonn

 

0178 - 18 93 893

kontakt (a) standop.de

 

 

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